Ingrid Thurnher führt den ORF seit dem 23. April 2026 als Generaldirektorin. Ihre Amtszeit ist jedoch bewusst kurz angelegt: Sie endet am 31. Dezember 2026, bevor Clemens Pig zu Jahresbeginn 2027 die Leitung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks übernimmt. Thurnher steht damit nicht für einen langfristigen personellen Neustart, sondern für eine Übergangsphase, in der sie interne Vorgänge aufarbeiten, Vertrauen zurückgewinnen und die Übergabe an ihren Nachfolger vorbereiten soll.
Die wichtigsten Fakten im Überblick
| Merkmal | Bestätigte Angabe |
| Vollständiger Name | Ingrid Thurnher |
| Geboren | 6. Juli 1962 in Bludenz, Vorarlberg |
| Alter | 64 Jahre, Stand Juli 2026 |
| Beruf | Journalistin und Medienmanagerin |
| Aktuelle Position | Generaldirektorin des ORF |
| Aktuelle Funktionsperiode | 23. April bis 31. Dezember 2026 |
| Nachfolger | Clemens Pig ab 1. Januar 2027 |
| Frühere Leitungsfunktionen | Chefredakteurin von ORF III und ORF-Radiodirektorin |
| Ehemann | Finanzexperte Andreas Grünbichler |
Ingrid Thurnher wurde am 6. Juli 1962 in Bludenz geboren. Mit neun Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Wien, wo sie Publizistik sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaften studierte und das Franz-Schubert-Konservatorium besuchte. Später absolvierte sie berufsbegleitend ein Business-MBA-Programm.
Warum Ingrid Thurnher 2026 ORF-Generaldirektorin wurde
Thurnhers Berufung an die ORF-Spitze war die Folge einer unerwarteten Führungskrise. Der damalige Generaldirektor Roland Weißmann trat am 9. März 2026 mit sofortiger Wirkung zurück, nachdem eine Mitarbeiterin Vorwürfe sexueller Belästigung erhoben hatte. Weißmann wies die Vorwürfe zurück. Ingrid Thurnher, zu diesem Zeitpunkt Radiodirektorin, übernahm zunächst interimistisch die Leitung.
Am 12. März betraute der ORF-Stiftungsrat sie offiziell mit der vorläufigen Geschäftsführung. Für die Leitung bis zum Jahresende wurde anschließend ein gesondertes Ausschreibungsverfahren durchgeführt. Am 23. April wählte der Stiftungsrat Thurnher mit 31 von 35 Stimmen zur Generaldirektorin. Ihre Funktionsperiode begann sofort und wurde von Anfang an bis zum 31. Dezember 2026 begrenzt.
Damit übernahm Ingrid Thurnher den ORF in einer Situation, in der nicht nur der laufende Sendebetrieb gesichert werden musste. Zugleich standen Fragen zur Führungskultur, zu internen Kontrollmechanismen und zum Umgang mit Beschwerden im Raum.
Als eine ihrer ersten Maßnahmen setzte Thurnher einen extern besetzten Transparenzbeirat ein. Das Gremium vereint Fachleute aus den Bereichen Recht, Compliance, Governance und Korruptionsprävention. Es soll Vorgänge untersuchen und Empfehlungen dafür erarbeiten, wie Strukturen und Kontrollverfahren im ORF dauerhaft verbessert werden können.
Von Bludenz ins ORF-Landesstudio
Ingrid Thurnhers Karriere beim ORF begann 1985 nach einem erfolgreich absolvierten Sprechertest. Zunächst arbeitete sie als Fernsehansagerin. Bereits ein Jahr später wechselte sie in das Landesstudio Niederösterreich, wo sie bis 1991 als Redakteurin im Aktuellen Dienst tätig war.
In dieser Zeit moderierte Thurnher unter anderem „Niederösterreich heute“, „Österreich heute“, „Österreich-Bild“ und „Land und Leute“. Hinzu kamen Radioformate aus dem Bereich der aktuellen Information. Die Tätigkeit im Landesstudio verband redaktionelle Arbeit mit regelmäßiger Präsenz vor Kamera und Mikrofon.
1991 wechselte Thurnher in die innenpolitische Redaktion des ORF-Hörfunks. Bis 1994 arbeitete sie dort als Redakteurin und moderierte die Ö1-Journale. Dieser Abschnitt ihrer Laufbahn legte die Grundlage für ihre spätere Rolle als politische Interviewerin und Nachrichtenmoderatorin.
Zwölf Jahre als Moderatorin der „ZIB 2“
Einem breiten österreichischen Publikum wurde Ingrid Thurnher durch die „ZIB 2“ bekannt. Von 1995 bis 2007 präsentierte sie die spätabendliche Nachrichtensendung und führte zahlreiche Interviews mit Politikerinnen, Politikern und anderen Personen des öffentlichen Lebens.
Anschließend gehörte sie für knapp ein Jahr zum Moderationsteam der Hauptnachrichtensendung „Zeit im Bild“ um 19.30 Uhr. Von März 2008 bis Ende 2016 moderierte sie die politische Diskussionssendung „IM ZENTRUM“ und den „Runden Tisch“.
Thurnher leitete außerdem politische Fernsehkonfrontationen rund um die Nationalratswahl 2013 und die Bundespräsidentenwahl 2016. Von 2009 bis 2011 war sie Gastgeberin der ORF-„Sommergespräche“. Ihre Fernsehkarriere war damit über viele Jahre eng mit der politischen Berichterstattung des Senders verbunden.
Für ihre Arbeit als Informationsmoderatorin erhielt sie mehrfach den österreichischen Fernsehpreis Romy. Die Auszeichnungen trugen dazu bei, dass Thurnher über die klassische Nachrichtenzuschauerschaft hinaus zu einem der bekanntesten Gesichter des ORF wurde.
Der Wechsel von der Moderatorin ins Management
Anfang 2017 übernahm Ingrid Thurnher die Chefredaktion von ORF III. Der Wechsel markierte einen entscheidenden Abschnitt ihrer Laufbahn: Statt ausschließlich einzelne Sendungen zu präsentieren, war sie nun für redaktionelle Abläufe, Programmentwicklung und den Ausbau des Informationsangebots eines gesamten Senders mitverantwortlich.
Zum 1. Januar 2022 wurde sie ORF-Radiodirektorin. Damit gehörte sie zur obersten Führungsebene des Unternehmens und trug Verantwortung für die nationalen Radioprogramme sowie weitere Bereiche der Radiodirektion. Für Thurnher war es zugleich eine Rückkehr zu jenem Medium, in dem sie Anfang der 1990er-Jahre als Innenpolitikredakteurin gearbeitet hatte.
Ihre spätere Berufung zur Generaldirektorin beruhte deshalb nicht allein auf ihrer Bekanntheit als frühere Moderatorin. Zu diesem Zeitpunkt verfügte sie bereits über mehrere Jahre Erfahrung in redaktioneller und unternehmerischer Führungsverantwortung.
Warum sie nicht für die Amtszeit ab 2027 kandidierte
Nach ihrer Bestellung im April 2026 blieb zunächst offen, ob Ingrid Thurnher auch für die reguläre fünfjährige Funktionsperiode von 2027 bis 2031 antreten würde. Am 28. Mai erklärte sie jedoch, auf eine Kandidatur zu verzichten.
In einer Mitteilung an die ORF-Belegschaft begründete Thurnher die Entscheidung damit, dass sie ihre verbleibende Amtszeit ohne persönliche taktische Überlegungen nutzen wolle. Der Verzicht gebe ihr die Freiheit, Missstände aufzuarbeiten, notwendige Entscheidungen zu treffen und das Vertrauen in den ORF zu stärken.
Am 12. Juni 2026 wählte der ORF-Stiftungsrat den damaligen APA-Geschäftsführer Clemens Pig mit 21 Stimmen zum neuen Generaldirektor. Seine fünfjährige Funktionsperiode beginnt am 1. Januar 2027 und endet am 31. Dezember 2031.
Thurnhers gegenwärtige Position unterscheidet sich dadurch von einer gewöhnlichen Generaldirektion. Sie trägt bis Ende 2026 die operative Verantwortung, während langfristige Planungen bereits mit dem designierten Nachfolger abgestimmt werden müssen. Ihr Mandat konzentriert sich auf Aufarbeitung, Stabilisierung und eine geordnete Übergabe.
Ingrid Thurnher privat: Was über ihren Ehemann bekannt ist
Ingrid Thurnher ist mit dem österreichischen Finanzexperten Andreas Grünbichler verheiratet. Die Hochzeit wurde im August 2001 öffentlich bekannt. Grünbichler war in Wissenschaft, Finanzaufsicht sowie in leitenden Funktionen der Finanz- und Versicherungswirtschaft tätig.
Über ihr Privatleben äußert sich Thurnher nur selten. Belastbare aktuelle Quellen nennen zwar ihren Ehemann, enthalten aber keine verlässlich überprüfbaren Angaben zu Kindern. Behauptungen einzelner Personenportale über ihre Familienverhältnisse werden dort ohne nachvollziehbare Originalquelle veröffentlicht und sollten deshalb nicht als gesicherte Information übernommen werden.
Auch ihr genauer Wohnort, ihr Einkommen und ihr Vermögen sind nicht zuverlässig öffentlich dokumentiert. Aus ihrer Führungsposition beim ORF oder der beruflichen Laufbahn ihres Ehemanns lassen sich dazu keine belastbaren Rückschlüsse ziehen.
Was Ingrid Thurnher bis Ende 2026 zu erledigen hat
Bis zum Ende ihrer Funktionsperiode bleibt Ingrid Thurnher für den laufenden Betrieb des ORF und die begonnenen Aufarbeitungsprozesse verantwortlich. Nach ihrer Bestellung nannte sie die konsequente Untersuchung interner Vorgänge und die zuverlässige Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags als zentrale Arbeitsschwerpunkte.
Parallel dazu muss sie die Planungen für das Jahr 2027 mit Clemens Pig abstimmen. Am 1. Januar übernimmt Pig offiziell die Generaldirektion. Welche berufliche Aufgabe Ingrid Thurnher nach dem Ende ihres Übergangsmandats ausüben wird, ist bislang nicht öffentlich bekannt.
Quellen
ORF-Unternehmensseite: Das offizielle Managementporträt dokumentiert Ingrid Thurnhers berufliche Stationen beim ORF und ihre Bestellung zur Generaldirektorin.
ORF-Stiftungsrat: Die offiziellen Mitteilungen bestätigen ihre vorläufige Geschäftsführung, die anschließende Bestellung und die Begrenzung ihrer Amtszeit bis Ende 2026.
ORF.at: Die Berichterstattung dokumentiert den Rücktritt Roland Weißmanns, Thurnhers Wahl sowie ihren Verzicht auf eine Kandidatur für die Periode ab 2027.
ORF-Unternehmenskommunikation: Die Mitteilung zur Wahl von Clemens Pig bestätigt seinen Amtsantritt am 1. Januar 2027 und die fünfjährige Funktionsperiode.
Land Vorarlberg: Eine offizielle Mitteilung bestätigt Thurnhers Herkunft, ihren Umzug nach Wien und wesentliche Angaben zu ihrer Ausbildung.
Ö1: Das Porträt bestätigt ihre Ehe mit dem Finanzmanager Andreas Grünbichler und ihre frühere Leitung von ORF III.
Der Standard: Das Medienporträt dokumentiert ihr Geburtsdatum, den Beginn ihrer ORF-Karriere und ihren Weg vom Fernsehen ins Management.
Andrea Sator: Was über Rainhard Fendrichs frühere Ehefrau gesichert bekannt ist
Konrad Adam ist Autor bei The Blogus und schreibt über das Leben, die Karriere und den persönlichen Hintergrund bekannter Persönlichkeiten aus Deutschland und der internationalen Öffentlichkeit. Sein Schwerpunkt liegt auf sorgfältig recherchierten Biografien, aktuellen Karrierestationen und interessanten Fakten über Prominente. Dabei legt er Wert auf verständliche, sachliche und übersichtlich aufbereitete Inhalte.
