Ihren Namen kennen die meisten erst seit dem 31. August 2025. An diesem Sonntag teilte Marie Poccolin-Brauss der Deutschen Presse-Agentur mit, dass ihr Mann, der Schauspieler Arthur Brauss, wenige Tage zuvor in ihrer gemeinsamen Münchner Wohnung gestorben sei. „Er ist ganz friedlich eingeschlafen. Das ist mein einziger Trost: Dass er sich nicht quälen musste”, sagte sie. Seitdem taucht ihr Name in praktisch jedem Nachruf auf Brauss auf – doch wer Marie Poccolin selbst ist, blieb in den Berichten beinahe unerwähnt.
Die Antwort auf die häufigste Frage lässt sich schnell geben: Marie Poccolin war die Lebensgefährtin und spätere Ehefrau des Schauspielers Arthur Brauss. Über fünf Jahrzehnte lebten die beiden zusammen im Münchner Stadtteil Schwabing. Darüber hinaus ist über sie selbst öffentlich nur wenig gesichert – und einiges, was verbreitet wird, hält einer Überprüfung nicht stand.
Gemeinsames Leben in Schwabing seit den frühen Siebzigern
Die Partnerschaft reicht mindestens bis in die frühen 1970er-Jahre zurück. Archivfotos bei den Bildagenturen Imago und Getty Images zeigen Marie Poccolin und Arthur Brauss bereits in den 1980er-Jahren gemeinsam bei öffentlichen Anlässen. In den Bildunterschriften wird sie teils unter dem vollständigen Namen Marie Helene Poccolin geführt.
Beide galten als kamerascheu. Einer der wenigen dokumentierten gemeinsamen Auftritte in den letzten Jahren war der Sommerempfang des Bayerischen Landtags auf Schloss Schleißheim im Juli 2019. Eine Charity-Veranstaltung im April desselben Jahres in München ist ebenfalls fotografisch belegt. Über vier Jahrzehnte lang teilten sie eine Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing – dem Viertel, das Brauss einmal als seine Wahlheimat bezeichnete.
Die Hochzeit nach 50 Jahren
Obwohl die beiden in älteren Quellen gelegentlich bereits als verheiratet geführt wurden, fand die standesamtliche Eheschließung erst 2024 statt. „Ganz still” hätten sie geheiratet, erklärte Marie Poccolin-Brauss gegenüber der dpa – nach über 50 Jahren Partnerschaft. Gründe für den späten Zeitpunkt oder für die Entscheidung, nach so langer Zeit doch zu heiraten, nannte sie nicht.
Seit der Hochzeit trug sie den Doppelnamen Poccolin-Brauss, unter dem sie auch in sämtlichen Nachrichtenberichten zum Tod ihres Mannes zitiert wird.
Warum die Bezeichnung „Schauspielerin” nicht belegt ist
Mehrere Medien, darunter t-online und die Bild-Zeitung, bezeichnen Marie Poccolin als Schauspielerin. Auch die Fanseite steffi-line.de verwendet diesen Begriff. In der dpa-Meldung, die als Grundlage der meisten Nachrufe diente, findet sich diese Bezeichnung ebenfalls. Bei t-online heißt es wörtlich: „Arthur Brauss hinterlässt seine Ehefrau Marie Poccolin-Brauss. Sie ist ebenfalls Schauspielerin.”
Eine überprüfbare Grundlage für diese Angabe existiert jedoch nicht. Marie Poccolin hat keinen Eintrag bei der Internet Movie Database, keinen Eintrag bei Crew United – der zentralen Branchendatenbank für Film- und Fernsehschaffende im deutschsprachigen Raum – und kein Profil beim deutschen Filmportal. Keine Rolle, keine Produktion und kein Theaterengagement lassen sich ihr öffentlich zuordnen. Es ist nicht auszuschließen, dass sie irgendwann in ihrer Laufbahn schauspielerisch tätig war, doch dokumentiert ist das in keiner zugänglichen Quelle. Die Bezeichnung wurde offenbar ohne erkennbare Originalquelle von mehreren Medien übernommen.
Alter, Herkunft und Familie – was tatsächlich bekannt ist
Marie Poccolins Geburtsdatum, Alter und Geburtsort sind öffentlich nicht dokumentiert. Keine der Nachrichtenquellen, die über Arthur Brauss’ Tod berichteten, nennt biografische Daten zu seiner Frau.
Ob das Paar Kinder hatte, erwähnt ebenfalls kein einziger der vorliegenden Berichte, weder die dpa-Meldung noch die Nachrufe in der Süddeutschen Zeitung, bei der Tagesschau, dem ZDF oder dem BR. Aus dem Fehlen solcher Angaben lässt sich allerdings kein sicherer Schluss ziehen.
Der Nachname Poccolin deutet auf eine italienische oder norditalienische Herkunft des Familiennamens hin, ohne dass sich diese Vermutung anhand öffentlich zugänglicher Quellen bestätigen ließe.
Die letzten Monate und der Abschied
In den letzten Monaten seines Lebens war Arthur Brauss pflegebedürftig und wurde rund um die Uhr in der gemeinsamen Wohnung betreut. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung, der sich auf eine langjährige Freundin des Paares stützt, saß Marie Poccolin an seinem Bett und hielt seine Hand, als er starb.
Das genaue Todesdatum ist in den Quellen nicht einheitlich angegeben. Die Traueranzeige in der Süddeutschen Zeitung, veröffentlicht am 31. Oktober 2025, nennt den 29. August 2025. Wikipedia stützt sich auf diese Angabe. Die IMDb und einzelne Berichte, darunter die Gala, geben dagegen den 30. August an. Marie Poccolin-Brauss selbst sprach am Sonntag, dem 31. August, gegenüber der dpa von „vor wenigen Tagen”, was beide Daten zulassen würde. Die Traueranzeige als amtsnäheres Dokument spricht für den 29. August.
Arthur Brauss wurde auf dem Westfriedhof München im Stadtteil Moosach beigesetzt, wie aus dem Grabstellenverzeichnis von Find a Grave hervorgeht – rund sechs Kilometer von der gemeinsamen Wohnung in Schwabing entfernt.
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Poccolin oder Pocolin – zwei Schreibweisen ohne Klärung
Wer nach Marie Poccolin recherchiert, stößt auf eine Unstimmigkeit: Die dpa-Meldungen verwenden durchgehend „Pocolin” mit einfachem c. Tagesschau, Süddeutsche Zeitung, ZDF, BR24 und Die Zeit übernehmen diese Schreibweise, da sie auf demselben Agenturtext beruhen. Wikipedia, die IMDb, die Bildagenturen Imago und Getty Images sowie die meisten älteren Quellen schreiben dagegen „Poccolin” mit doppeltem c – eine Variante, die in professionellen Fotoarchiven bis in die 1980er-Jahre zurückreicht.
Welche Schreibweise dem standesamtlichen Namen entspricht, lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht klären. Die ältere, in Bildarchiven konsistent verwendete Form ist „Poccolin”.
Quellen: Deutsche Presse-Agentur via Tagesschau | Süddeutsche Zeitung | BR24 | Wikipedia – Arthur Brauss | IMDb – Arthur Brauss | Imago Images | Find a Grave – Arthur Brauss
Konrad Adam ist Autor bei The Blogus und schreibt über das Leben, die Karriere und den persönlichen Hintergrund bekannter Persönlichkeiten aus Deutschland und der internationalen Öffentlichkeit. Sein Schwerpunkt liegt auf sorgfältig recherchierten Biografien, aktuellen Karrierestationen und interessanten Fakten über Prominente. Dabei legt er Wert auf verständliche, sachliche und übersichtlich aufbereitete Inhalte.
