Aurelia Simon ist die Tochter der französischen Maler Françoise Gilot und Luc Simon. Beruflich tritt sie heute überwiegend als Aurélia Engel auf. Die ausgebildete Architektin leitet seit 2010 die Françoise Gilot Archives, organisiert Ausstellungen und gilt als autorisierte Ansprechpartnerin für die Authentifizierung von Werken ihrer Mutter. Mit Pablo Picasso ist sie nur indirekt über ihre Familie verbunden: Er war der Vater ihrer Halbgeschwister Claude und Paloma, nicht ihr eigener Vater.
Aurelia Simon ist nicht die Tochter von Pablo Picasso
Die Familienverhältnisse werden in manchen Onlinebeiträgen ungenau dargestellt. Françoise Gilot lebte von 1943 bis 1953 mit Pablo Picasso zusammen. Aus dieser Beziehung stammen Claude Picasso, geboren 1947, und Paloma Picasso, geboren 1949.
Nach der Trennung von Picasso heiratete Gilot 1955 den französischen Maler Luc Simon. Am 19. Oktober 1956 brachte sie ihr drittes Kind Aurelia zur Welt. Aurelia Simon ist damit die leibliche Tochter von Françoise Gilot und Luc Simon sowie die mütterliche Halbschwester von Claude und Paloma Picasso. Sie ist weder Picassos Tochter noch eine biologische Nachfahrin des spanischen Künstlers.
Diese Unterscheidung ist nicht nur genealogisch wichtig. Die öffentliche Wahrnehmung von Françoise Gilots Familie wird bis heute stark von ihrer früheren Beziehung zu Picasso geprägt. Aurelias eigener beruflicher Weg ist jedoch unmittelbar mit dem Werk ihrer Mutter verbunden.
Aufgewachsen zwischen Ateliers und Kunstwerken
Aurelia Simon wurde in eine Familie geboren, in der künstlerische Arbeit zum Alltag gehörte. Beide Eltern waren Maler, und auch ihre älteren Halbgeschwister wuchsen im Umfeld bedeutender Künstler und Galeristen auf.
Françoise Gilot begann bereits in den späten 1950er-Jahren, Lithografien ihrer jüngsten Tochter anzufertigen. Aurelia erschien später wiederholt in Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken ihrer Mutter. Zu diesen Arbeiten gehören Familienbilder mit Claude, Paloma und Aurelia sowie eigenständige Darstellungen der jüngsten Tochter. Die offizielle Werkseite Gilots führt unter anderem ein Porträt Aurelias aus der sogenannten Vegetationsperiode und das Gemälde The River (Aurelia Swimming) von 1986.
Trotz dieses Umfelds entschied sich Aurelia nicht für eine Laufbahn als Malerin. Sie wurde Architektin. Diese Ausbildung bildet zugleich eine nachvollziehbare Grundlage für ihre spätere Arbeit mit Sammlungen, Ausstellungsräumen und der systematischen Dokumentation eines umfangreichen künstlerischen Œuvres.
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Seit 2010 Leiterin der Françoise Gilot Archives
Aurélia Engel übernahm 2010 die Leitung der Françoise Gilot Archives. Die Institution bearbeitet Anfragen zu Kunstwerken, Ausstellungen und Leihgaben und verwaltet Informationen über Gilots jahrzehntelanges Schaffen.
Nach Angaben des Archivs absolvierte Engel 2015 zusätzlich einen Masterstudiengang in Museum Studies an Harvard. Damit erweiterte sie ihre architektonische Ausbildung um Kenntnisse in Museumsarbeit und Ausstellungsgestaltung. Sie organisiert Ausstellungen und Vorträge und vertritt das Werk ihrer Mutter gegenüber Museen, Galerien, Sammlern und Forschenden.
Bereits 2010 wirkte sie an der Publikation Françoise Gilot – Œuvres/Works 1984–2010 mit. Der Band dokumentiert einen wichtigen Abschnitt von Gilots späterem Werk und ergänzt die zuvor veröffentlichte Monografie über die Jahre 1940 bis 2000. Die offizielle Bibliografie nennt Françoise Gilot und Aurelia Engel gemeinsam als Autorinnen des Buches.
Auch bei öffentlichen Veranstaltungen übernahm Engel eine vermittelnde Rolle. Bei einer Ausstellung von Gilots Druckgrafiken im US-Bundesstaat Georgia sprach sie 2012 über die Entstehung und Entwicklung der grafischen Arbeiten ihrer Mutter. Die offizielle Chronologie bezeichnet sie in diesem Zusammenhang als Kuratorin des Archivs und Vertreterin von Gilots Werk.
Ihre Authentifizierungen sind für den Kunstmarkt entscheidend
Zu den wichtigsten Aufgaben Aurélia Engels gehört die Prüfung von Werken, die Françoise Gilot zugeschrieben werden. Die Françoise Gilot Archives führen sie als akkreditierte Person für solche Authentifizierungen.
Eine solche Bestätigung kann klären, ob ein Werk in das offizielle Archiv aufgenommen wird und unter welcher Archivnummer es registriert ist. Für Museen, Auktionshäuser und private Sammler sind diese Angaben bei der Beurteilung von Herkunft und Echtheit von großer Bedeutung.
Internationale Auktionshäuser verweisen regelmäßig auf Engels Arbeit. Christie’s dokumentiert beispielsweise bei Gilots Gemälde Meadow in the Sunshine aus dem Jahr 1982, dass Aurélia Engel die Authentizität bestätigt habe und das Werk unter der Nummer 1009 im Gilot-Archiv verzeichnet sei. Vergleichbare Hinweise finden sich auch bei weiteren über Christie’s angebotenen Arbeiten.
Sotheby’s führte noch 2026 mehrere Werke mit einer Bestätigung durch Aurélia Engel. Bei der 1999 entstandenen Arbeit Untitled VII nennt das Auktionshaus sie ausdrücklich als die Person, die deren Echtheit bestätigt hat. Auch das 1956 gemalte Werk The Pink Turkish Bath wurde laut Sotheby’s von ihr authentifiziert und unter einer konkreten Nummer im Archiv registriert.
Diese Einträge zeigen, dass Engels Tätigkeit über die Bewahrung privater Familienunterlagen hinausgeht. Ihre Arbeit beeinflusst unmittelbar, wie Gilots Werke katalogisiert, angeboten und kunsthistorisch eingeordnet werden.
Warum sie auch als Aurélia Engel bekannt ist
Der Name Aurelia Simon stammt von ihrem Vater Luc Simon. In aktuellen beruflichen Zusammenhängen verwenden das Archiv und die großen Auktionshäuser überwiegend die französische Schreibweise Aurélia Engel.
Die offizielle Archivseite nennt sie als Ehefrau von Colas Engel, dem Leiter der Colas Engel Fine Arts Gallery. In einer älteren offiziellen Bildunterschrift aus dem Jahr 2000 erscheint sie dagegen als Aurelia Provvedini. Das Foto zeigt sie gemeinsam mit Françoise Gilot, Claude Picasso und Paloma Picasso. Die unterschiedlichen Nachnamen bezeichnen dieselbe Tochter Gilots und erklären, warum Informationen über sie unter mehreren Namensformen zu finden sind.
Öffentlich steht Aurélia Engel weniger als eigenständige prominente Persönlichkeit im Mittelpunkt als vielmehr als Architektin, Archivleiterin und Werkexpertin. Ihre dokumentierten Aufgaben machen sie zu einer zentralen Ansprechpartnerin für das Verständnis, die Ausstellung und die verlässliche Zuschreibung von Françoise Gilots Kunst.
Quellen: Françoise Gilot Archives | Offizielle Françoise-Gilot-Chronologie | Christie’s | Sotheby’s
Konrad Adam ist Autor bei The Blogus und schreibt über das Leben, die Karriere und den persönlichen Hintergrund bekannter Persönlichkeiten aus Deutschland und der internationalen Öffentlichkeit. Sein Schwerpunkt liegt auf sorgfältig recherchierten Biografien, aktuellen Karrierestationen und interessanten Fakten über Prominente. Dabei legt er Wert auf verständliche, sachliche und übersichtlich aufbereitete Inhalte.
